Die regierende türkische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AK-Partei) unter der Führung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat dem Parlament einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Kindern unter 15 Jahren den Zugang zu sozialen Medien verbieten würde, so Berichte, die sich auf die vorgeschlagene Gesetzgebung berufen.
Der Vorschlag würde von Social-Media-Unternehmen, die in der Türkei tätig sind, verpflichten, Altersverifikationssysteme einzuführen, die darauf abzielen, jüngere Nutzer daran zu hindern, Konten zu erstellen oder darauf zugreifen. Plattformen müssten außerdem Werkzeuge zur Kindersicherung bereitstellen, die darauf abzielen, die Online-Sicherheit von Kindern zu verbessern.
Nach dem Gesetzentwurf würden Nutzern ab 15 Jahren separate Online-Dienste angeboten, die eine sicherere Umgebung für Jugendliche schaffen sollen. Das Gesetz führt außerdem Verpflichtungen zur Inhaltsmoderation ein, einschließlich der Verpflichtung für Plattformen, schädliche Inhalte in Notfällen innerhalb einer Stunde zu entfernen.
Unternehmen, die die neuen Regeln nicht einhalten, könnten mit Strafen rechnen. Das Gesetz schlägt Geldstrafen von bis zu 3 % des weltweiten Umsatzes eines Unternehmens oder mögliche Bandbreitenbeschränkungen für Plattformen vor, die die Anforderungen nicht erfüllen.
Der Vorschlag wurde von Leyla Sahin Usta, stellvertretender Vorsitzender der Parlamentsfraktion der AK-Partei, eingebracht. Laut Usta erhalten soziale Medienplattformen und Online-Gaming-Dienste sechs Monate Zeit, um die neuen Verpflichtungen zu erfüllen, falls die Gesetzgebung verabschiedet wird.
Der Gesetzentwurf enthält außerdem Bestimmungen, die ausländische Spielehändler betreffen. Nach dem Vorschlag müssten Online-Spiele, die in der Türkei verteilt werden, Altersfreigabesysteme einführen, die Inhalte nach dem Alter der Spieler klassifizieren.
Die Türkei unterhält bereits eine strenge Aufsicht über Online-Plattformen. Behörden verlangen häufig von Unternehmen, Inhalte zu entfernen und den Zugang zu Websites oder Beiträgen zu sperren, die gegen lokale Vorschriften verstoßen. Laut einem Bericht der Internetzensurbehörde IFOD blockiert das Land derzeit den Zugang zu etwa 1,2 Millionen Webseiten und Beiträgen in sozialen Medien.
Wenn das Parlament angenommen wird, würde das vorgeschlagene Gesetz eine der restriktivsten altersbasierten Zugangsregeln für soziale Medien im Land einführen. Der Entwurf der Maßnahme spiegelt umfassendere regulatorische Diskussionen in mehreren Ländern wider, wie Online-Plattformen die Nutzung digitaler Dienste und sozialer Netzwerke durch Kinder angehen sollten.
