Datenschutzbehörden in mehreren europäischen Ländern betrachten Smart Glasses genauer, da die Bedenken über ihre Fähigkeit wachsen, Fotos, Videos und Audio aufzunehmen, ohne dass die Menschen merken, dass sie aufgenommen werden. Behörden in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden prüfen, ob bestehende Datenschutzgesetze Geräte ausreichend behandeln, die tragbare Technologie mit diskreten Kameras und künstlicher Intelligenz kombinieren.
Eine der stärksten Warnungen kam von Thomas Fuchs, Hamburgs Kommissar für Datenschutz und Informationsfreiheit. In Kommentaren gegenüber dem deutschen Sender ARD argumentierte Fuchs, dass smarte Brillen als versteckte Aufnahmegeräte dienen, weil deren Kameras deutlich weniger auffällig sind als die auf Smartphones. Er schlug vor, dass bestimmte Produkte potenziell mit der deutschen Gesetzgebung zur getarnten Überwachungsausrüstung kollidieren könnten.
Die deutschen Telekommunikationsgesetze verbieten die Herstellung, den Verkauf und den Besitz von Geräten, die absichtlich darauf ausgelegt sind, Aufzeichnungsmöglichkeiten zu verbergen, indem sie als gewöhnliche Alltagsgegenstände getarnt werden. Die Regulierungsbehörden prüfen daher, ob einige Smartwatches in den Anwendungsbereich dieser Beschränkungen fallen oder ob bestehende Regeln mit der Weiterentwicklung der Wearable-Technologie unterschiedlich ausgelegt werden müssen.
Das Thema erregt auch auf europäischer Ebene Aufmerksamkeit. Laut Euractiv bewertet das European Data Protection Board (EDPB) die Datenschutzimplikationen von Smartbrillen und wird voraussichtlich noch in diesem Sommer seine Ergebnisse veröffentlichen. Die Überprüfung soll prüfen, wie bestehende europäische Datenschutzregeln auf tragbare Geräte mit Kameras, Mikrofonen und KI-gestützten Funktionen angewendet werden.
Datenschutzbehörden in anderen Ländern haben ähnliche Bedenken geäußert. Die französische Datenschutzbehörde hat festgestellt, dass Menschen in der Regel erkennen können, wenn jemand mit einem Smartphone aufnimmt, während smarte Brillen es deutlich erschweren zu erkennen, ob eine Kamera aktiv ist. Niederländische Datenschutzorganisationen haben ebenfalls gewarnt, dass nahezu unsichtbare Kameras es Einzelpersonen ermöglichen könnten, andere ohne deren Wissen oder Zustimmung zu filmen.
Ein Großteil der öffentlichen Debatte konzentrierte sich auf Produkte von Meta, deren Smartbrillen zu den am weitesten verbreiteten Geräten in dieser Kategorie geworden sind. Mit steigenden Verkaufszahlen haben Kritiker bezweifelt, ob die aktuellen Datenschutzmaßnahmen ausreichen, um Missbrauch an öffentlichen Orten zu verhindern. Einige Nutzer berichten, dass sie die Geräte meiden, weil sie befürchten, als heimlich aufzeichnende Personen wahrgenommen zu werden, während Datenschutzbefürworter argumentieren, dass die Technologie für Belästigung, Stalking oder andere Formen der aufdringlichen Überwachung ausgenutzt werden könnte.
Die Bedenken gehen über öffentliche Aufnahmen hinaus. Frühere Berichte deuteten darauf hin, dass Aufnahmen, die mit Metas KI-gestützten Smartbrillen aufgenommen wurden, von Auftragnehmern im Rahmen der Bemühungen des Unternehmens zur Verbesserung seiner künstlichen Intelligenzsysteme überprüft wurden. Berichten zufolge stießen die Rezensenten auf eine Vielzahl hochsensibler Inhalte, darunter private Gespräche, Finanzinformationen und intime Momente, die unbeabsichtigt von Nutzern aufgezeichnet worden waren.
Die zunehmende Kontrolle spiegelt eine größere Herausforderung wider, vor der Regulierungsbehörden konfrontiert sind, da tragbare Geräte zunehmend in der Lage werden, kontinuierlich visuelle und akustische Daten zu sammeln. Während Smartphones klar signalisieren, wenn jemand filmt, können smarte Brillen diesen Unterschied deutlich weniger offensichtlich machen und Fragen zu Transparenz, informierter Zustimmung und der Einhaltung bestehender Datenschutzgesetze aufwerfen.
Das Ergebnis der europäischen regulatorischen Überprüfungen könnte beeinflussen, wie Hersteller zukünftige tragbare Geräte entwerfen und ob zusätzliche Schutzmaßnahmen oder gesetzliche Anforderungen für Produkte mit diskreter Aufzeichnungstechnologie eingeführt werden.